


Nis und Karl sind seit Jahren gemeinsam mit dem Rad unterwegs, vom BMX über Bahnräder bis zu mehrtägigen Bikepacking-Touren durch die Alpen und Andalusien. Im Interview erzählen sie, wie sie zum Radfahren gekommen sind, warum Nis analog fotografiert, wo sie am liebsten draußen schlafen und welche Ausrüstung auf keiner Tour fehlen darf.
Nis: Als ich ungefähr vier Jahre alt war, ist meine Mutter mit meinem Bruder und mir drei Tage lang zu unseren Großeltern geradelt. Ich bin also schon sehr früh dazu gekommen. Radfahren war schon immer ein Teil meines Lebens.
Karl: Angefangen hat es bei mir mit BMX. Später bin ich mit meinen Freunden von @hardbrakers mit Bahnrädern gereist. So habe ich auch Nis kennengelernt.
Nis: Das Fahrrad ist die beste Erfindung überhaupt. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Zuerst einmal fahre ich einfach unglaublich gern Rad. Es ist ein großartiges Gefühl und macht mir gute Laune, sogar bei Regen. Und dann ist da noch die Möglichkeit, jederzeit aus eigener Kraft um die Welt zu fahren.
Karl: Jedes Fahrrad macht Spaß. Mich reizt aber vor allem das Entdecken. Als Kind erkundest du deine Nachbarschaft. Später fährst du mit dem BMX durch eine fremde Stadt und suchst nach Street-Spots, oder du packst das Nötigste ein, lässt die Zivilisation hinter dir und erkundest Wälder, Berge und Wüsten.
Nis: Ich fotografiere sehr gern. Für mich ist das eine Art Tagebuch. Mit den Fotos von unseren Touren möchte ich andere dazu inspirieren, mehr Zeit in der Natur zu verbringen.
Karl: Ich bin sehr gern in den Bergen und fahre Snowboard und Mountainbike. Außerdem mag ich es, die Welt zu entdecken, Musik zu hören, Fremden zuzuhören, Quatsch zu reden und Tiere zu beobachten.
Nis: Ich habe mit der Zeit viele Kameras ausprobiert. Es gibt so viele großartige analoge Kameras, du musst nur herausfinden, was für dich am besten funktioniert. Im Moment fotografiere ich am liebsten mit der Canon EOS 30. Sie ist schnell und zuverlässig und mit einem Pancake-Objektiv auch recht kompakt. Ich kann sie wie eine Kompaktkamera nutzen und habe trotzdem die volle Kontrolle über Belichtungszeit und Blende.
Nis: Die eine große Inspiration habe ich nicht. Vielleicht klingt es kitschig, aber am meisten inspiriert mich das, was um mich herum passiert, und der Moment selbst. Ich versuche, das Gefühl eines Moments so gut wie möglich einzufangen, um eine Geschichte zu erzählen und den Betrachtern dasselbe Gefühl zu vermitteln, das ich in diesem Moment hatte.
Nis: Ich möchte, dass Menschen etwas fühlen, wenn sie meine Fotos ansehen. Alles andere ist mir nicht so wichtig. Ein Foto kann unscharf und unterbelichtet sein. Wenn es mich berührt, ist es für mich ein gutes Foto.
Nis: Für mich ist es heilsam. In großen Städten haben wir den Kontakt zur Natur verloren und vergessen, dass wir ein Teil von allem sind. Draußen zu sein macht mich ruhig und gibt mir einen klaren Kopf.
Karl: Der Mensch passt sich zwar gut an, aber ich finde es ziemlich offensichtlich, dass unser Körper und unser Geist biologisch nicht für die Umgebung gemacht sind, die wir uns geschaffen haben. Wir sitzen den ganzen Tag drinnen, starren auf Bildschirme und stressen uns wegen Unsinn, oft in Büros mit künstlichem Licht, schlechtem Essen und einem Tagesablauf, der kaum Rücksicht auf unseren natürlichen Rhythmus nimmt. Ich glaube, unser Körper braucht die Elemente und ein wenig positiven Stress: sich einen steilen Anstieg hochkämpfen, eine Weile ohne Essen auskommen, schwitzen oder frieren. Zusammen mit frischer Luft und Sonnenlicht ist das für mich die beste Vorsorge.
Nis: Es gab einige richtig tolle Plätze an Seeufern und in Wäldern. Am schönsten war es aber auf einem Gipfel in den Alpen, nachdem wir unsere voll beladenen Räder durch den Schnee nach oben getragen hatten.
Karl: Ja, genau da. Und auf einem anderen Gipfel auf dem Weg nach Granada. Beim Badlands-Rennen in Andalusien gab es fast jede Nacht atemberaubende Schlafplätze: in herrlichen Wäldern, in der Wüste von Gorafe und direkt an einer hohen Klippe am Cabo de Gata, während unter uns die Wellen brachen. Und natürlich an Stränden.
Nis: Es gibt mir die Freiheit, völlig unabhängig zu sein und einfach dorthin zu fahren, wohin ich will, ganz ohne Motor und nur aus eigener Kraft.
Karl: Ich mag es, nur das Nötigste einzupacken, solange die Bedingungen es erlauben, und unabhängig und frei in der Natur zu sein. Mit ultraleichter Campingausrüstung fühlt sich das Rad relativ leicht an und lässt sich gut manövrieren. So machen auch technische Abfahrten und Anstiege richtig Spaß.
Nis: Wenn es die Bedingungen zulassen, schlafe ich am liebsten nur in meinem Passion-Schlafsack auf meiner Vega-Air-Matte in einer Hängematte. Wird es kälter, kommt der Jorund Tech dazu. Und wenn es regnet oder sehr windig ist, schlafe ich auch gern in meinem Telemark-Zelt.
Karl: Amen, dem ist nicht viel hinzuzufügen. Meistens habe ich das Telemark dabei, weil es wenig Platz braucht und sehr leicht ist. Ich benutze es aber fast nie. Hängematte und Jorund sind auch eine unschlagbare Kombination.
Nis: Ich bin ein großer Kaffeefan und brühe mir morgens in der Sonne gern einen frischen Kaffee. Deshalb sind ein Kocher, meine AeroPress und mein doppelwandiger Titanbecher von Nordisk immer dabei. Dazu Kamera(s), Filme und gute Snacks.
Karl: Werkzeug, Pumpe, Stirnlampe, Schlafsack, Isomatte, Feuerzeug, Messer, Gewürze, AeroPress, Kocher, Taschentücher, Müllbeutel, Merino-Shirt, Daunenjacke, Kaffee und Moruga-Kakao.
Aus unserer Sicht gibt es nur ein klares No-Go: einen Ort anders zu hinterlassen, als man ihn vorgefunden hat. Nimm deshalb immer einen Müllbeutel mit. Dasselbe gilt für Feuer und Holz: so viel wie nötig, so wenig wie möglich.