


Ein Gastbeitrag von Jesper Bo Jensen, Zukunftsforscher, Ph.D. und zum Zeitpunkt des Beitrags CEO des Center for Fremtidsforskning (Zentrum für Zukunftsforschung) in Dänemark.
Nach der Finanzkrise 2008/09 haben sich unsere Prioritäten als Konsumenten verändert. Konsum als Religion, Shopping als Freizeitbeschäftigung und das größte Haus oder Auto in der Straße haben an Bedeutung verloren. Stattdessen interessieren sich viele Menschen mehr für Natur, Gesundheit und eine bewusste Ernährung. Der Trend „zurück zur Natur“ ist seit Jahren spürbar, ebenso das Interesse an einem gesunden Lebensstil, an Bewegung und an alten Werten in neuem Gewand.
Der neue Luxus ist ein anderer als der alte. Natürlich kaufen viele Menschen weiterhin teure Markenprodukte. Aber Luxus bedeutet für moderne Konsumenten zunehmend das, was ihnen im Alltag fehlt: Zeit, Aufmerksamkeit, Raum, Ruhe und Stille.
Zeit wird knapp, wenn wir per Smartphone rund um die Uhr für Chef, Familie und Freunde erreichbar sind. Wir wollen unsere Zeit zurück, genauso wie unseren eigenen Raum. Ob wir in der Economy Class sitzen, ist egal, solange wir am richtigen Ziel ankommen. Und wir brauchen Ruhe, um Kraft zu tanken, bevor der Alltag wieder beginnt.
Auch ungeteilte Aufmerksamkeit ist selten geworden. Smartphones, Streaming und Musik sind immer dabei, und trotzdem wünschen wir uns die volle Aufmerksamkeit von Familie und Freunden.
Dazu kommt die Natur: Zeit draußen zu verbringen ist gefragter denn je. Nimmt man all das zusammen, also Zeit für sich, Aufmerksamkeit von Familie und Freunden, Natur, Ruhe und ein wenig Luxus, dann landet man beim Glamping. Ein großes Zelt mitten in der Natur, viel Platz, echte Möbel, gutes Essen vom Feuer und lange Gespräche mit Familie und Freunden: Das ist moderner Luxus.
Ob am Strand, im Wald an einem kleinen See, in der Wüste oder auf einer kleinen Insel, ein Glamping-Platz ist ein attraktives Reiseziel. Vielleicht nicht für zwei Wochen Urlaub, aber für ein, zwei Nächte, ein paar Tage oder eine Woche. Kombiniert mit Sport, Trekking, Wellness oder Meditation entsteht genau das Gesamtpaket, das uns im Alltag fehlt.
In einer Welt, die vielen Menschen unsicher erscheint, wird Urlaub in der Nähe attraktiver. Schon während der Finanzkrise entstand der Trend zur Staycation, also zum Urlaub zu Hause. Glamping profitiert davon: Die Ziele liegen oft nicht weit entfernt, abseits der großen Städte und nah an der Natur, und bieten trotzdem ein Stück Luxus.
Und nicht zuletzt passt Glamping in eine Zeit, in der wir über soziale Medien sofort teilen, was wir erleben. Ein Foto vom Abend im Glamping-Zelt, mit Fackeln und Essen unter freiem Himmel, zeigen wir gern Familie und Freunden.
Jede Generation erlebt Glamping auf ihre eigene Weise:
Extremsport ist gefragt: fünf Marathons an fünf Tagen, Gipfel ohne Sauerstoff, Tauchen mit Haien. Extreme Glamping wäre entsprechend extrem luxuriöses Camping: größere Zelte, die spektakulärsten Orte in der Natur, das beste Essen der Region und interessante Menschen um einen herum. Eine Variante davon gibt es schon nördlich des Polarkreises in Norwegen: Hundeschlittenfahrten, Sauna, Hot Tub und eine Nacht im Glamping-Zelt mit Blick auf die verschneite Landschaft.
Mehr zum Thema: Was ist Glamping? und Glamping-Zelt einrichten.